Eine beängstigend schwache Vorstellung

Montag, 20 September 2021

Südostschweiz Ausgabe vom 20. September 2021 von Jürg Sigel

Eine beängstigend schwache Vorstellung

Der EHC Chur wird in Lyss kalt geduscht. Die sehr schwachen und harmlosen Bündner kassieren zum Auftakt der neuen MSL-Saison eine leistungsgerechte 0:5-Niederlage.

 

von Jürg Sigel

Meisterschafts-Startniederlagen des EHC Chur sind nun wirklich nichts Aussergewöhnliches. Seit der Bündner Stadtklub in der dritthöchsten Schweizer Liga spielt, hat er stets die erste Partie verloren. Also kein Grund zur Panik. Erst recht, wenn der erste Saisongegner Lyss heisst. Chur vermochte die Seeländer seit deren Aufstieg lediglich im ersten Direktvergleich zu bezwingen. Dann folgten – inklusive Play-offs – nur noch Lysser Siege. Das 5: 0 am Samstag war Nummer 6 in Folge. Also kein Grund zur Panik, Churer. Lyss ist eben sowas wie ein Angstgegner. Es kommt dann schon gut – irgendwie, irgendwann.

Sorgen sind angebracht
Panik wäre tatsächlich übertrieben. Aber Sorgen bereitet dieser EHC Chur schon. Und zwar grosse Sorgen. Denn der Auftritt der «Steinböcke» in der Seelandhalle war erschreckend schwach. Captain Andreas John sprach die Offensive an: «Wir wussten, dass das unser grosses Problem ist.» Die zumeist harmlosen Abschlussversuche liessen sich an einer Hand abzählen. Dabei bewegte sich auf dem Eis ein Widersacher, der Dario Caduff im Tor der Gäste vorerst auch nicht gross zu beschäftigen vermochte. Gerade mal drei Schüsse auf dessen Kasten fanden im ersten Drittel Eintrag in die Statistik. «Und doch führte Lyss nach 20 Minuten 1: 0», so John. Interimscoach Björn Gerhard sprach von einem Gegentreffer, «der nicht unbedingt hätte sein müssen, nachdem wir eigentlich gut in die Partie gekommen sind». Das stimmt. Chur, defensiv diszipliniert, durfte vorerst für sich beanspruchen, die weniger schlechte zweier schlechter Mannschaften zu sein. Dieser leichte Vorteil wurde aber nicht genutzt.

Danach folgte vor 302 Zuschauern der Lysser Steigerungslauf. Das Heimteam wurde auf dem Weg zum letztlich selbst in dieser Höhe verdienten Sieg kaum mehr gefordert. Fünf verschiedene Akteure steuerten die Treffer bei.

"Die grösste Baustelle"
Somit geschah, was aufgrund der Churer Vorbereitungspartien und des Gebotenen in Lyss wenig erstaunte. Den Kantonshauptstädtern fehlt es an Qualität. Wer sich vor dem gegnerischen Kasten derart hilflos anstellt, darf schlicht nicht einmal von einem positiven Resultat träumen. Dem EHC Chur fehlt mindestens ein echter Skorer. John dazu: «Wir brauchen keine zusätzlichen Stürmer. In unserem Team gibt es durchaus Spieler, die Tore schiessen können. Doch es braucht diesbezüglich noch viel Arbeit.» Gerhard sprach in diesem Zusammenhang von der «derzeit grössten Baustelle». Das wurde vor allem kurz vor der zweiten Pausensirene deutlich. Gerhard: «Da hätten wir den Rückstand verringern können. Ich denke, wir vergaben zwei 200-prozentige Chancen.»

Statt 3: 1 oder gar nur noch 3: 2 – was für Chur allerdings einem sehr grosszügigen Lohn gleichgekommen wäre - hiess es zu Beginn des Schlussabschnitts 4: 0. «Das war der Genickbruch», so Gerhard.

"Den Fahrplan verlassen"
Doch selbst ohne den vierten Lysser Treffer wären die Gäste kaum noch herangekommen. Zu ungenügend war die Leistung – nicht allein deshalb, weil vor dem gegnerischen Tor Flaute herrschte. Auch spielerisch blieben zu viele Wünsche offen. Gerhard: «Im zweiten Drittel haben wir den Fahrplan verlassen und verloren.» Dies taten die Churer gründlich, und mit Strafen erschwerten sie sich das Leben zusätzlich. Es fiel das 2: 0, später im Boxplay das 3: 0. Nach dem 4: 0 leistete das Bündner Ensemble keinen Widerstand mehr.

Fazit: Vor zwei Jahren startete Chur ebenfalls schwach, arbeitete sich dann aber bis auf Rang 4 vor. Solches scheint diesmal ausgeschlossen, nachdem in Lyss der harmloseste Stadtklub seit Jahren zu sehen war. Ein kleiner Trost bleibt: Schlechter als am Samstag gehts kaum noch.

Meisterschaft
Samstag-18 September 2021-17:00Uhr
SC Lyss 5 : 0 SC Lyss