«Natürlich mache ich mir Gedanken, wie es für mich weitergehen wird»

Freitag, 13 November 2020

Südostschweiz Ausgabe vom 13. November 2020 - Bild Olivia Aebli-Item

«Natürlich mache ich mir Gedanken, wie es für mich weitergehen wird»

Tomas Tamfal führt den MSL-Klub EHC Chur in der zweiten Saison. Wegen der Corona-Pandemie ist der Spielbetrieb derzeit unterbrochen und der Trainingsbetrieb nur eingeschränkt möglich. Eine neue Situation für Tamfal, die er mit Optimismus zu bewältigen versucht.

 

Am 17. Oktober hat der EHC Chur letztmals gespielt. Mit sechs Punkten aus den ersten acht Partien steht er am Ende der MSL-Tabelle. Der 54-jährige Trainer Tomas Tamfal macht sich derzeit aber mehr Sorgen um den weiteren Saisonverlauf als um den misslungenen Auftakt. Im exklusiven Gespräch spricht er über das Coronavirus, Trainings mit Schutzmasken, Existenzangst und Rückendeckung.

 

Tomas Tamfal, vor dem Unterbruch des Spielbetriebs wurden beim EHC Chur elf Akteure positiv auf Covid- 19 getestet.

Wir müssen die Situation so nehmen, wie sie ist. Es ist für mich, für meine Spieler, für den EHC Chur und für den Sport allgemein alles extrem schwierig. Man ist dem Virus ausgeliefert, man ist wehrlos. Wir fragen uns darum nicht, was wir falsch gemacht haben. Wir fragen uns vielmehr, was wir besser machen können.

 

Fiebermessen, Desinfektionsmittel, Maskenpflicht in der Garderobe – der EHC Chur ist trotz dieser Massnahmen nicht verschont geblieben. Ist das frustrierend?

Das ist es, ja. Wir haben uns konsequent an die Regeln gehalten. Mehr ist nicht möglich. Trotzdem kam es zu den positiven Tests. Nach zwei Wochen Quarantäne haben wir mittlerweile das Training in zwei Kleingruppen wieder aufgenommen. Nun tragen wir auch auf dem Eis Schutzmasken.

Geht das überhaupt?

Es ist ungewöhnlich, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich bin vor dem ersten Masken- Training einige Runden im Thomas-Domenig-Stadion gelaufen. Kaum begann ich zu schwitzen, wurde es schwierig. So empfinde ich das. Meine Spieler reagieren unterschiedlich. Einige nehmen es locker, haben kaum Beschwerden. Andere haben schon ohne Belastung Mühe mit der Atmung.

Sie haben sich für die schnelle Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs entschieden, obwohl nicht feststeht, wann und ob die Meisterschaft überhaupt fortgesetzt wird.

Im Moment ist das bei uns natürlich das Dauerthema. Wir dürfen die Zügel darum aber nicht schleifen lassen, müssen den Rhythmus hoch halten. Wenn es plötzlich wieder losgeht, müssen wir parat sein. Gleichzeitig muss ich darauf achten, dass die Intensität nicht zu hoch ist, sonst treten plötzlich Verletzungen auf. Die Balance ist die Herausforderung. Von der Normalität sind wir in den Trainings weit entfernt. Man kann laufen, man kann am Schuss arbeiten, man kann die Technik verbessern. Das versuche ich mit neuen Trainingsformen zu vermitteln. Ich will meine Spieler motivieren und ihnen Spass vermitteln.

 

Spass ohne Spiele?

Körperkontakt ist verboten. Ohne Zweikämpfe ist Eishockey aber nicht möglich "Von der Normalität sind wir in den Trainings weit entfernt". Darum ist ein  normales Training schwierig.

 

Macht die Fortsetzung der Meisterschaft zum Beispiel im Januar überhaupt Sinn?

Ich kann die Situation nicht ändern und rechne auch nicht wirklich damit, dass wir in diesem Jahr noch Spiele bestreiten dürfen. Diese Saison ist aussergewöhnlich, sie ist jetzt schon kaputt. Ich bin trotzdem dafür, dass wir unbedingt in irgendeiner Form weiterspielen, sobald es möglich ist. Vielleicht reicht es dann noch für einige Spiele, vielleicht für eine einfache Runde undim besten Fall noch für mehr. Es hängt halt davon ab, wie es nun mit der Pandemie weitergeht. Entscheidend und richtig ist es, dass in dieser Woche der Modus angepasst wurde. Da der Abstieg im Amateureishockey jetzt wegfällt, haben die Klub nun die dringend benötigte Planungssicherheit für die kommende Saison. In den höchsten beiden Ligen ist das nicht ohne Grund schon zuvor so entschieden worden. Bezüglich Aufstieg sollte man in der Regio League einem Klub, der gewillt ist und die finanziellen Anforderungen erfüllen kann, den Aufstieg ermöglichen.


Sie sprechen den professionellen Sport an. In der National und Swiss League sorgt man sich um die Zukunft der Vereine. Löst das Coronavirus auch bei Ihnen Existenzangst aus?

Natürlich mache ich mir Gedanken, was kommt und wie es für mich weitergehen wird. Das ist normal. Jeder Mensch tut das. Die Situation mit Corona löst überall Unsicherheiten aus. Das Eishockey ist mein Business, es ist mein Leben. Es bringt nichts, mich nun verrückt machen zu lassen. Ich werde alles Mögliche und Unmögliche dafür tun, um meinen Job behalten zu können. Wichtig ist, dass wir alle positiv bleiben. Irgendwann geht die Pandemie vorbei, und es geht wieder aufwärts.

Der EHC Chur ist mit einer neuen Führung in die Saison gestartet. Spüren Sie in diesen für Sie und den gesamten Verein schwierigen Wochen Rückhalt aus dem Vorstand?

Ja, vom Rückhalt bin ich überzeugt. Ich spüre ihn, jeden Tag. Der gesamte Vorstand leistet gute Arbeit. Wir stehen im regelmässigen Austausch. Ich werde über strategische Entscheide laufend informiert.

Man will hier etwas bewegen. Das ist toll, das ist motivierend. Grundsätzlich

konzentriere ich mich aber auf meine Arbeit, auf meine Mannschaft. Mit Sportchef Roger Lüdi rede ich jeden Tag. Ich suche und gebe mir selbst die Arbeit. Ich optimiere die Trainingspläne laufend, möchte jeden einzelnen

Spieler weiterbringen, ihn besser machen. Es ist dabei wichtig, dass man dabei das Drumherum und die Umstände nicht vergisst. Meine Spieler müssen alle arbeiten, können nur am Abend trainieren. Ich darf sie nicht überfordern, zu viel von ihnen verlangen. Vor allem nicht in einer Zeit wie wir sie im

Moment mit Corona haben. «Entscheidend und richtig ist es, dass in dieser Woche der Modus angepasst wurde.»





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