Wesley Haueter - Zurück in der Kinderstube

Donnerstag, 17 September 2020

Südostschweiz Ausgabe vom 17. September 2020

Nach fünf Jahren in der Fremde kehrte Wesley Haueter im Sommer zum EHC Chur zurück. Beim Stadtklub will der Sohn von Chur-Urgestein Marc Haueter in der neuen MSL-Saison zum Leader reifen.

Wesley Haueter ist kein Sprachrohr. Seinen Worten geht oft ein kurzer Moment des Überlegens vor. Irgendeinmal fällt im Gespräch der Satz: «Ich sage lieber zu wenig als zu viel» Wenn der 22-Jährige aber nach seinen Kindheitserinnerungen gefragt wird, kommt er doch noch ins Plaudern. Erzählt von ausverkauften Heimspielen im Thomas-Domenig-Stadion, das damals noch Hallenstadion hiess. Von der Party auf dem Eis, 
als der EHC Chur im Jahr 2000 letztmals den Sprung ins Oberhaus schaffte. Es sind Erinnerungen an erfolgreiche Zeiten des Stadtklubs. Zeiten, die eng mit dem Namen Haueter verbunden sind. Nicht mit Wesley. Aber mit dessen Vater. Marc Haueter. Heute 48-jährig. Ehemaliger Verteidiger. Chur-Urgestein. Beinahe 400 Mal trug er das Trikot des Stadtklubs, das heute unter dem Hallendach im Thomas-Domenig-Stadion hängt.

 

Trainings unter Del Curto
An diesem Dienstagabend sitzt Wesley Haueter auf den unbequemen 
Holzbänken der Stehrampe im Thomas-Domenig-Stadion. Das Eistraining hinter, eine Einheit im Krafttraining noch vor sich. Haueter ist einer von zehn Neuzugängen, die in diesem Sommer zum EHC Chur gestossen sind. Nur ist der Begriff «Neuzugang» beim Verteidiger nicht wirklich angebracht. Vielmehr ist es eine Rückkehr in die Kinderstube. Nicht nur weil Haueter die Partien seines Vaters jeweils als interessierter Beobachter auf der Tribüne verfolgte. In Chur machte der eher kleingewachsene Verteidiger seine ersten Gehversuche auf dem Eis, durchlief bis zu den Elitejunioren sämtliche Nachwuchsstufen. «Mit einigen Spielern, die heute wieder meine Teamkollegen sind, spielte ich bereits als 5-Jähriger zusammen», erzählt Haueter.

 

Der Wechsel ans Sportgymnasium Davos und in die Nachwuchsabteilung des HCD war der logische Schritt. In

der U20 spielte Haueter zusammen mit heutigen National-League-Spielern wie Benjamin Baumgartner, Yannick

Frehner oder Nando Eggenberger, trainierte ab und zu auch unter Arno Del Curto im Fanionteam. Zu mehr reichte es jedoch nicht. «Da muss ich mir nichts vormachen. Für mich war früh klar, dass es nichts wird mit der ersten Mannschaft», so Haueter.

 

Die nächste Generation

Sein Debüt im Erwachsenenhockey gab er schliesslich beim EHC Visp in der Swiss League. Mit den Wallisern

schaffte Haueter zweimal den Einzug in die Play-offs, erlebte den Umzug in die neue Lonza Arena – kam aber in der Verteidiger-Hierarchie nicht über die dritte Linie hinaus. «Ich erhielt nicht die Verantwortung, die ich mir gewünscht habe», sagt Haueter. Diesen Frühling entschied er sich für eine Luftveränderung, spielte bei Visps Ligakonkurrenten Langenthal vor, merkte aber bald, dass er auch im Oberaargau mit einer Rolle im Hintergrund hätte Vorlieb nehmen müssen. Die Rückkehr nach Chur entpuppte sich schliesslich als Ideallösung, zumal der Kontakt mit dem Stadtverein während der fünf Jahre in der Fremde nie abgebrochen war. Den Wechsel in die MSL sieht Haueter nicht als Rückschritt. Eine Rückkehr zu seinem Jugendklub hatte er nie ausgeschlossen.

 

Und so freut er sich, künftig das Vertrauen zu erhalten, das er im Wallis vermisst hatte. Mit seinen 22 Jahren und den Erfahrungen der letzten Jahre gehört er in der jungen Churer Verteidigung bereits zu den Routiniers. «Ich will mit meinem Auftreten auf und neben dem Eis die Mitspieler mitziehen und als Leader vorneweg gehen », sagt Haueter über seine Rolle. Wobei auch er eine gewisse Eingewöhnungszeit in der neuen Liga brauchen dürfte.


Wohin die Reise mit Chur führen soll, lässt Haueter offen. Erstes Ziel: Das Erreichen der Play-offs. «Und dann», sagt der Defensivmann, «dann ist bekanntlich alles möglich». Zumindest ein persönliches Highlight hat er vor dem Saisonstart schon erreicht: Im Test gegen Rheintal lief er erstmals zusammen mit seinem Bruder Ronan für das Fanionteam auf. Zwar wird dieser die Saison mehrheitlich bei den Elitejunioren verbringen. Die nächste Generation Haueter, sie ist aber definitiv

in Chur angekommen.

 

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