Der Schweiz-Rückkehrer aus dem hohen Norden

Samstag, 26 Oktober 2019

Bernhard Camenisch - Südostschweiz

Der Schweiz-Rückkehrer aus dem hohen Norden

Um Eishockey und Studium kombinieren zu können, hat Brian Liechti aus Schweden zum EHC Chur gewechselt.

Er hätte auch mühelos in der Swiss League anheuern können: Noch im November des letzten Jahres spielte Brian Liechti für das Schweizer U20-National-team, für die Weltmeisterschaft wenige Wochen später in Vancouver stand er auf der Pikettliste. Dass der 20-Jährige jetzt für den EHC Chur in der MSL stürmt, hat denn auch weniger sportliche Gründe.

Liechti will Eishockey spielen und sich parallel zum Physiotherapeut ausbilden lassen. Mitte September hat er an der Fachhochschule Südschweiz in Landquart sein Studium begonnen. Vier Jahre sind bis zum Abschluss mit dem Bachelor of Science vorgesehen. Der Wechsel zum EHC Chur war aus geografischen Gründen wortwörtlich naheliegend: "Ich kann so auf einem passenden Niveau spielen und trotzdem von Montag bis Freitag das komplette Schulpensum absolvieren", erklärt Liechti. In der Regel dauern die Lektionen bis 16.30 Uhr.

In der Liga der Supertalente
Ende März gab der EHC Chur die Verpflichtung des Berners, der aus Signau im Emmental stammt und im Nachwuchs der SCL Tigers mit dem Eishockey begann, bekannt. Die Worte «veritabler Transfercoup» in der damaligen Medienmitteilung waren für MSL-Verhältnisse nicht übertrieben.
Liechti war zuletzt zwei Jahre Stammspieler im U20-Team des Linköping HC in der SuperElit. Die höchste schwedische Juniorenliga ist ein Sammelbecken für herausragende Talente. Allein sechs von Liechtis Teamkollegen wurden in den letzten beiden NHL-Drafts berücksichtigt. Eine prominente Rolle hatte auch der schnelle Flügelstürmer aus der Schweiz inne. "Ich bekam vom Trainer grosses Vertrauen und war statistisch der beste Boxplay-Spieler der Liga", erzählt Liechti, der in der vergangenen Saison zudem der sechstbeste Skorer seines Teams war.

Nach Schweden war Liechti schon im Sommer 2015 gegangen – als 16-Jähriger. Er habe nach dem Ende der Schulzeit etwas anderes erleben wollen, erklärt er. "Schweden kannte ich aus Ferien. Dort hatte es mir gefallen." Liechti ging nach Trelleborg, südlichste Stadt des Landes. Er lebte dort bei seiner Gastfamilie, spielte zunächst zwei Jahre im Nachwuchs und bei den Aktiven (Division 3) von Trelleborgs IF und ging ins Gymnasium.

Matura auf Schwedisch
Schwedischkenntnisse hatte er keine gehabt. Doch weil er eifrig lernte, konnte er sich nach einem Vierteljahr auch im Gymnasium bereits in der Landessprache verständigen. Seinen Maturaabschluss im Sommer 2018 machte Liechti auf Schwedisch und mit dem Notendurchschnitt 5,3. Dieser ermöglichte ihm den Gang an die Universität, wo er ein halbes Jahr Physiotherapie studierte – über 1000 Personen hatten sich um einen der 50 Studienplätze bemüht.

«Schweden war eine Riesenlebenserfahrung. Als Mensch und Sportler haben mir diese vier Jahre enorm viel gebracht», sagt Liechti. Wären das Studium und der Sport (Liechti hätte nach dem Ende der Juniorenzeit in ein 50 Kilometer entferntes Team wechseln müssen) unter einen Hut zu bringen gewesen, wäre er ohne zu zögern in Schweden geblieben. "Mir gefiel dort alles, es ist ein Traum."

Die Eishockey-Realität ist nun der EHC Chur. 15 Punkte holten die Churer aus ihren ersten acht Spielen. «Wir waren als Underdog gestartet. Aber wir kämpfen immer füreinander. Dies hat sich schon einige Male ausgezahlt», sagt Liechti. Zuletzt setzte es aber drei Niederlagen in Folge ab. Vor dem Spiel heute in Thun ist für Liechti klar: "Wir müssen dafür sorgen, dass wir nicht in eine Negativspirale kommen. Wir verschliefen zuletzt immer das erste Drittel. Das muss sich ändern." 

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Quelle: suedostschweiz

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